Der entscheidende Satz stand am Sonntagmorgen nicht in einer langen Regierungserklärung, sondern in einem Beitrag auf Truth Social. Donald Trump kündigte am 4. Oktober 2026 die Gründung einer „Super Intelligence Force“ an. Sie werde direkt an ihn und seine Stabschefin Susie Wiles berichten, schrieb der Präsident – und fügte den für ihn typischen Klammerzusatz „ME!“ hinzu. Ziemlich viel Staatsmacht, verpackt in einen Social-Media-Post.
An die Spitze der neuen Arbeitsgruppe setzt Trump einen Mann, der bereits das amerikanische Nachrichtendienstsystem koordiniert: Jay Clayton, den Direktor der nationalen Nachrichtendienste. Gemeinsam mit ihm sollen Andrew Ferguson, Vorsitzender der Federal Trade Commission, Emil Michael, Technologiechef des Pentagon, und Scott Kupor, Leiter der Personalbehörde, das Gremium führen. Es soll den Austausch mit KI-Unternehmen, Betreibern kritischer Infrastruktur, Verbrauchern sowie gesellschaftlichen und religiösen Organisationen koordinieren. Recherchequelle: Truth Social
Vom Wirtschaftsthema zur Sicherheitsfrage
Der Name klingt großspurig. Politisch jedoch markiert die Gründung eine bemerkenswerte institutionelle Verschiebung. Künstliche Intelligenz war für Washington lange vor allem ein Wirtschaftsthema: eine Frage von Forschungsgeldern, Chipproduktion, Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmensgründungen. Später rückte die Regulierung stärker in den Blick. Claytons Ernennung bringt nun eine dritte Perspektive hinzu – die nationale Sicherheit.
Schon die Wahl des Vorsitzenden macht diese Verschiebung sichtbar. Ein Unternehmer hätte Wachstum signalisiert, ein Verbraucherschützer Kontrolle, ein Wissenschaftler Forschung. Der nationale Geheimdienstchef hingegen steht für Bedrohungsanalyse, geopolitische Rivalität und die Frage, über welche technologischen Fähigkeiten mögliche Gegner verfügen. Dass außerdem ein Vertreter des Pentagon zur Führungsriege gehört, unterstreicht den sicherheitspolitischen Kurs.
Trump verbindet mit dem Auftrag Führungsanspruch und Schutzversprechen. Die Vereinigten Staaten sollen ihre weltweite Spitzenposition sichern; zugleich soll die Arbeitsgruppe amerikanische Interessen schützen und das Leben der Bevölkerung verbessern. Damit treffen zwei Ziele aufeinander, die in der KI-Politik häufig miteinander ringen: eine möglichst rasche Entwicklung und eine möglichst wirksame Absicherung. Der technologische Wettlauf lenkt den Blick auf China, Rechenzentren und immer leistungsfähigere Modelle. Auf der anderen Seite stehen Cyberangriffe, unberechenbare Systeme und verwundbare Infrastruktur. Recherchequelle: AP News
Was Clayton in 120 Tagen klären soll
Für diese Aufgabe hat Clayton 120 Tage Zeit. Die Arbeitsgruppe soll Risiken und Chancen untersuchen und Empfehlungen zur Rolle der Bundesregierung bei der Aufsicht über fortgeschrittene KI vorlegen. Auch die bestehenden Meldewege für Sicherheitsverletzungen, Hackerangriffe und andere Zwischenfälle kommen auf den Prüfstand. Anschließend soll das Gremium Vorschläge entwickeln, wie die Regierung mit ihren bereits vorhandenen Befugnissen schneller und geschlossener reagieren kann.
Eine neue Aufsichtsbehörde entsteht dadurch zunächst nicht. Ebenso wenig gelten plötzlich verbindliche Sicherheitsstandards. Vorerst ist die Super Intelligence Force ein Koordinierungs- und Beratungsgremium. Doch auch solche Gruppen können politische Spuren hinterlassen: Sie beeinflussen, welche Risiken offiziell wahrgenommen werden, welche Informationen Behörden erhalten und welche Maßnahmen später auf dem Schreibtisch des Präsidenten landen.
CjxkaXYgY2xhc3M9ImV4dGhvcmlhLWFtYXpvbi1hZCIgZGF0YS1leHRob3JpYS1hZC1zbG90PSIwMSIgZGF0YS1leHRob3JpYS1hZC1wcm92aWRlcj0iYW1hem9uIj48ZGl2IGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX21ldGEiPjxzcGFuIGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX2JhZGdlIj5XZXJidW5nPC9zcGFuPjxzcGFuIGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX3Byb3ZpZGVyIj5BbWF6b248L3NwYW4+PC9kaXY+PHN0cm9uZyBjbGFzcz0iZXh0aG9yaWEtYW1hem9uLWFkX190aXRsZSI+S0kgZsO8ciBFaW5zdGVpZ2VyOiBBbGxlcywgd2FzIFNpZSBqZXR6dCDDvGJlciBLw7xuc3RsaWNoZSBJbnRlbGxpZ2VueiB3aXNzZW4gbcO8c3NlbjogSWhyIGVpbmZhY2hlciBFaW5zdGllZyBpbiBkaWUgV2VsdCB2b24gQ2hhdEdQVCwgQ2xhdWRlLCBHZW1pbmksIOKApiBMZWl0ZmFkZW4gZsO8ciBLw7xuc3RsaWNoZSBJbnRlPC9zdHJvbmc+PGEgY2xhc3M9ImV4dGhvcmlhLWFtYXpvbi1hZF9fY3RhIiBocmVmPSJodHRwczovL2xpbmsuYW1hem9uL0IwMHk2TldPciIgdGFyZ2V0PSJfYmxhbmsiIHJlbD0ic3BvbnNvcmVkIG5vZm9sbG93IG5vb3BlbmVyIG5vcmVmZXJyZXIiIGRhdGEtZXh0aG9yaWEtbGluay1tYW5hZ2VyPSIxIiBkYXRhLWV4dGhvcmlhLWxpbmstdHlwZT0iZXh0ZXJuYWwiIGRhdGEtZXh0aG9yaWEtYWQtbGluaz0iYW1hem9uIj5CZWkgQW1hem9uIGFuc2VoZW4gPHNwYW4+KGJlemFobHRlciBMaW5rKTwvc3Bhbj48L2E+PHNtYWxsIGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX2Rpc2Nsb3N1cmUiPsOcYmVyIHVuc2VyZSBBbWF6b24tUGFydG5lcmxpbmtzIGVyaGFsdGVuIHdpciBiZWkgcXVhbGlmaXppZXJ0ZW4gVmVya8OkdWZlbiBlaW5lIFByb3Zpc2lvbi48L3NtYWxsPjwvZGl2Pgo=Clayton selbst bringt die Logik des Projekts in einem Satz auf den Punkt: Das Risiko, technologisch nicht an erster Stelle zu stehen, sei hoch. Neben den vier Mitgliedern der Führungsspitze gehören dem Gremium unter anderem Vizepräsident JD Vance, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Finanzminister Scott Bessent an. Als externe Berater werden der frühere KI-Beauftragte David Sacks und die ehemalige Außenministerin Condoleezza Rice genannt. Recherchequelle: Reuters
Ein Jurist wird zum KI-Zar
Der neue KI-Zar kommt nicht aus einem Forschungslabor. Clayton ist Jurist, war Bundesstaatsanwalt in Manhattan und leitete während Trumps erster Amtszeit die Börsenaufsicht SEC. Erst Ende Juli bestätigte ihn der Senat mit 51 zu 47 Stimmen als Nachrichtendienstchef. Die Abstimmung verlief entlang der Parteilinien. Bei seiner Anhörung hatte Clayton zuvor mehrfach vermieden, eindeutig zu bestätigen, dass Joe Biden die Präsidentschaftswahl 2020 gewonnen hatte. Recherchequelle: AP News
Seine Laufbahn könnte dennoch erklären, warum Trump ihn für geeignet hält. Clayton kennt nicht nur Strafverfolgung und nationale Sicherheit, sondern auch die Finanzbranche mit ihrem enormen Kapital, ihren komplexen Risiken und international verflochtenen Unternehmen. In dieser Hinsicht ähnelt KI zunehmend der Finanzwelt: Ein Problem in einem einzelnen Unternehmen kann Kreise ziehen und auf andere Akteure übergreifen, während die entscheidenden Vorgänge für Außenstehende im Verborgenen bleiben. Modelle, Trainingsverfahren und Sicherheitsprüfungen sind meist Geschäftsgeheimnisse. Staatliche Stellen müssen Risiken deshalb oft beurteilen, ohne vollständigen Einblick in die Technik zu haben.
Für Claytons zusätzliche Funktion als KI-Zar ist keine Bestätigung durch den Senat erforderlich. Sein Amt als Geheimdienstchef behält er zugleich. Die Macht verteilt sich also nicht auf eine neue Institution, sondern wird bei einem bereits einflussreichen Regierungsmitglied gebündelt. Schon vor der offiziellen Bekanntgabe wertete die „Washington Post“ die Personalentscheidung als Zeichen dafür, dass die Regierung künstliche Intelligenz nun ausdrücklich als Frage der nationalen Sicherheit behandelt. Recherchequelle: The Washington Post
Selbstkontrolle als zweite Säule
Die Gründung der Arbeitsgruppe fügt sich in eine Reihe weiterer Schritte der Regierung. Nur wenige Tage zuvor hatte Trump führende Köpfe der KI-Branche im Weißen Haus empfangen. Google-Chef Sundar Pichai, Anthropic-Chef Dario Amodei, Meta-Chef Mark Zuckerberg, OpenAI-Präsident Greg Brockman, Elon Musk und Nvidia-Chef Jensen Huang unterzeichneten mit dem Präsidenten einen freiwilligen Sicherheitskodex.
Das Dokument verlangt von den Unternehmen robuste interne Kontrollen während des Trainings und des Einsatzes ihrer Modelle. Unternehmenseigene Teams sollen überwachen, ob die vorgesehenen Mechanismen funktionieren. Hinzu kommen Prüfungen durch unabhängige externe Experten. Außerdem soll ein Ausschuss innerhalb des jeweiligen Verwaltungsrats Berichte erhalten und darauf dringen, dass entdeckte Probleme behoben werden. Das Dokument nennt ausdrücklich Gefahren aus den Bereichen Cyber-, Bio- und Chemiesicherheit sowie Systeme, die unbeabsichtigt technische Infrastruktur angreifen oder auf sie zugreifen. Recherchequelle: American Presidency Project
Verbindlich ist diese Vereinbarung nicht. Trump bezeichnete sie als „moralisch bindend“. Das klingt feierlich, hat aber weder die Durchsetzungskraft einer Vorschrift noch die Klarheit einer Haftungsregel. Zunächst kontrollieren die Unternehmen ihre Systeme selbst, beauftragen eigene Prüfer und organisieren die Aufsicht in ihren Führungsgremien. Erfüllt ein Unternehmen seine Verpflichtungen nur halbherzig, bleibt unklar, welche unmittelbaren Konsequenzen folgen.
In diesem Nebeneinander liegt die politische Spannung der neuen Arbeitsgruppe. Einerseits setzt die Regierung auf die freiwillige Selbstkontrolle der Industrie. Andererseits schafft sie ein Gremium, in dem Geheimdienst, Wettbewerbsaufsicht, Pentagon und Personalbehörde vertreten sind. Selbstregulierung trifft auf Sicherheitsapparat. Clayton soll beides miteinander verbinden, ohne den technologischen Wettlauf auszubremsen.
CjxkaXYgY2xhc3M9ImV4dGhvcmlhLWFtYXpvbi1hZCIgZGF0YS1leHRob3JpYS1hZC1zbG90PSIwMiIgZGF0YS1leHRob3JpYS1hZC1wcm92aWRlcj0iYW1hem9uIj48ZGl2IGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX21ldGEiPjxzcGFuIGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX2JhZGdlIj5XZXJidW5nPC9zcGFuPjxzcGFuIGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX3Byb3ZpZGVyIj5BbWF6b248L3NwYW4+PC9kaXY+PHN0cm9uZyBjbGFzcz0iZXh0aG9yaWEtYW1hem9uLWFkX190aXRsZSI+VGhlIEFsbGZhdGhlciBBd2FrZW5zPC9zdHJvbmc+PGEgY2xhc3M9ImV4dGhvcmlhLWFtYXpvbi1hZF9fY3RhIiBocmVmPSJodHRwczovL2xpbmsuYW1hem9uL0IwYWM1RWFydSIgdGFyZ2V0PSJfYmxhbmsiIHJlbD0ic3BvbnNvcmVkIG5vZm9sbG93IG5vb3BlbmVyIG5vcmVmZXJyZXIiIGRhdGEtZXh0aG9yaWEtbGluay1tYW5hZ2VyPSIxIiBkYXRhLWV4dGhvcmlhLWxpbmstdHlwZT0iZXh0ZXJuYWwiIGRhdGEtZXh0aG9yaWEtYWQtbGluaz0iYW1hem9uIj5CZWkgQW1hem9uIGFuc2VoZW4gPHNwYW4+KGJlemFobHRlciBMaW5rKTwvc3Bhbj48L2E+PHNtYWxsIGNsYXNzPSJleHRob3JpYS1hbWF6b24tYWRfX2Rpc2Nsb3N1cmUiPsOcYmVyIHVuc2VyZSBBbWF6b24tUGFydG5lcmxpbmtzIGVyaGFsdGVuIHdpciBiZWkgcXVhbGlmaXppZXJ0ZW4gVmVya8OkdWZlbiBlaW5lIFByb3Zpc2lvbi48L3NtYWxsPjwvZGl2Pgo=Zwischen zentraler Koordination und neuem Wettrennen
Für eine solche Bündelung gibt es gute Gründe. Cyberangriffe halten sich nicht an die Zuständigkeiten einzelner Ministerien. Ein problematisches Modell kann zugleich Banken, Stromnetze, Behörden und Kommunikationssysteme betreffen. Eine zentrale Stelle könnte Meldungen zusammenführen, gemeinsame Reaktionen vorbereiten und verhindern, dass Warnungen auf den langen Wegen zwischen verschiedenen Behörden versanden.
Doch es gibt auch eine Kehrseite: Wird KI vor allem als geopolitische Waffe verstanden, droht das Ziel der Sicherheit hinter dem Tempo des Wettlaufs zurückzutreten. Der amerikanische Autor David Wallace-Wells formulierte diese Sorge in einem CNN-Interview deutlich. Die Logik eines nationalen Sicherheitswettlaufs könne dazu führen, dass das Überholen Chinas wichtiger werde als der Schutz der amerikanischen Verbraucher und der Gesellschaft. Recherchequelle: CNN
Darin zeigt sich der zentrale Konflikt, den der neue Name eher verdeckt als löst. „Super Intelligence Force“ klingt nach technischer Größe und staatlicher Entschlossenheit. Ihr Erfolg wird sich jedoch nicht daran messen lassen, wie eindrucksvoll diese Bezeichnung wirkt. Entscheidend ist, ob die Gruppe Zugang zu belastbaren Informationen erhält, Risiken öffentlich und nachvollziehbar bewertet und der Regierung auch unbequeme Empfehlungen vorlegt.
Der erste Bericht ist in 120 Tagen fällig. Er wird zeigen, ob Washington eine Aufsicht aufbaut, die Unternehmen tatsächlich kontrollieren kann, oder vor allem eine Kommandozentrale für den globalen KI-Wettlauf geschaffen hat. An der Spitze dieses Vorhabens steht nun der Geheimdienstchef. Künstliche Intelligenz ist in den Vereinigten Staaten damit endgültig nicht mehr nur ein Technologieprodukt, sondern eine Frage staatlicher Macht.
Weiterführende Informationen
Quellenhinweis: Einzelne Fakten, Einschätzungen und Prognosen dieses Beitrags stützen sich auf Veröffentlichungen der nachfolgend genannten Unternehmen und Institutionen. Die Links dienen zugleich der weiterführenden Information.
Investing.com – WSJ: USA gründen hochrangige Taskforce für KI-Strategie und Risikomanagement
Der Beitrag erläutert Leitung, Zusammensetzung und 120-Tage-Auftrag der neuen Super Intelligence Force.
https://de.investing.com/news/economy-news/wsj-usa-grunden-hochrangige-taskforce-fur-kistrategie-und-risikomanagement-3689124
Golem.de – Donald Trump: KI-Industrie soll sich selbst regulieren
Der Artikel beschreibt die internen Kontrollen, externen Prüfungen und Aufsichtsgremien des freiwilligen KI-Sicherheitskodex.
https://www.golem.de/news/donald-trump-ki-industrie-soll-sich-selbst-regulieren-2609-213573.html
DER STANDARD – Berichte über KI-Pannen bei US-Militär: China, Palantir und Irankrieg
Konkrete Fälle zeigen die wachsende Bedeutung von KI für Geheimdienstanalysen, Pentagon-Operationen und militärische Entscheidungen im geopolitischen Wettbewerb.
https://www.derstandard.de/story/3000000340487/berichte-ueber-ki-pannen-bei-us-militaer-fehler-loeste-beinahe-einsatz-gegen-china-aus



